Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


20. Juli: Gedenkfeier für den am 26. August 1944 hingerichteten Widerstandskämpfer Adam von Trott zu Solz

Toleranz bringt Sympathiepunkte

Von Herbert Vöckel (Text und Fotos)

„Adam von Trott zu Solz wollte Europa zwischen den USA und Russland bewahrt sehen.“ Das sagte Gerhard Rein in der Gedenkfeier am Trottenkreuz in Imshausen. Der Journalist aus Berlin berief sich auf den Generalsekretär des Weltrates der Kirchen, den in Genf lebenden Holländer Willem Visser ‘t Hooft. Mit diesem bedeutendsten Unbekannten in Deutschland habe er Gespräche geführt und erfahren, dass Adam von Trott ein anderes Bild von Deutschland aufrechterhalten wollte, als das vom rassistischen Nationalsozialismus ramponierte und zerstörte.

Ein Memorandum des deutschen Widerstands an die britische Regierung, mitverfasst von Adam von Trott, sei 1942 durch Visser‘t Hooft nach England gelangt. Winston Churchill habe es gelesen und an den Rand des Textes „very encouraging“ – sehr ermutigend geschrieben. Die britische Regierung habe aber darauf beharrt, dass zunächst Deutschland ganz besiegt werden müsse, die Nazis ebenso wie der deutsche Militarismus. Erst dann könne es Gespräche über die Zukunft Deutschlands geben.

Aufmerksam: Viele Menschen hörten die Gedenkrede von Gerhard Rein am Trottenkreuz in Imshausen. Gekommen waren auch mehrere Angehörige der Familie von Trott zu Solz.

„Willem Visser‘t Hooft beschreibt in seinen Erinnerungen, dass Adam von Trott der Verzweiflung nahe war, als er ihm in Genf die Antwort aus England erläuterte“, berichtete Rein. Adam habe doch einflussreiche Freunde in England gehabt, wie zum Beispiel die Astors. „Warum misstrauten sie ihm?“, fragte der Journalist.

Das Attentat auf Hitler, der 20. Juli 1944, der Umsturzversuch, der Deutschland retten sollte, liege nur 73 Jahre zurück. Heute würden wir in einem Land mit einer offenen Gesellschaft leben. Die überwiegend tolerante Haltung habe der Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahrzehnten ein sympathisches Gesicht gegeben. Wir stünden aber in der Gefahr, es zu verlieren, stellte Rein fest.

Aufmerksam: Viele Menschen hörten die Gedenkrede von Gerhard Rein am Trottenkreuz in Imshausen. Gekommen waren auch mehrere Angehörige der Familie von Trott zu Solz.

Dieses Deutschland sei mittlerweile der drittgrößte Waffen- und Rüstungsexporteur der Welt. Die Kanzlerin stehe hinter diesen skandalösen Waffenexporten in Spannungsgebiete und gebe sie als ein Teil der deutschen Friedenspolitik aus. Rein beklagte eine schleichende Militarisierung im Land und in unserem Denken. Die vom Grundgesetz gebotene Friedenspflicht werde kaum noch beachtet. Der Journalist prangerte in seiner kritischen Rede die Erhöhung des Rüstungsetats, den Militäreinsatz in Afghanistan und die Entwicklungen in Amerika und Russland an. Auch 72 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg habe das Vermächtnis von Adam von Trott nichts von seiner Aktualität verloren. „Auch wir wollen Europa zwischen USA und Russland bewahrt sehen“, sagte Gerhard Rein.



Kritischer Bürger und Christ

Nentershausen Bürgermeister Ralf Hilmes lobte den Gedenkredner Gerhard Rein

Den Gedenkredner Gerhard Rein hatte zuvor Ralf Hilmes vom SPD Unterkreis Rotenburg als kritischen Bürger, Christen und Journalisten vorgestellt. Hilmes legte zusammen mit den Landtagsabgeordneten Torsten Warnecke am Gedenkstein von Adam von Trott zu Solz einen Kranz nieder. Die vielen Besucher der Gedenkfeier, darüber mehrere Mitglieder der Familie von Trott zu Solz, begrüßten auch Dorothee Engelhardt und Sarah Reinke von der Stiftung Adam von Trott. Eine Ansprache englischer Gäste übersetzte Ute Janßen. Musikalisch mitgestaltet wurde die Feier vom Posaunenchor Solz, der durch Bläser aus Bebra verstärkt wurde. Schüler der Adam-von-Trott-Schule in Sontra diskutierten im Nachgespräch mit Gästen im Herrenhaus in Imshausen über die Themen der Gedenkrede und den Stellenwert von Erinnerungen für die Gegenwart. Die Gedenkfeier für Adam von Trott zu Solz und seine Freunde aus dem Widerstand wurde am Trottenkreuz hoch über Imshausen gemeinsam vom SPD-Unterkreis Rotenburg und der Stiftung Adam von Trott ausgerichtet.

Zur Person

GERHARD REIN, geboren 1936 in Kulm (heute Chemno). Nach Abschluss einer kaufmännischen Lehre in Bremen wurde er Journalist und war 40 Jahre für den Süddeutschen Rundfunk tätig, unter anderem von 1982 bis zum Ende der DDR als Hörfunkkorrespondent in Ost-Berlin. Als Autor und Herausgeber hat er sich unter anderem mit der Opposition und dem politischen Umbruch in der DDR befasst und Gespräche unter Deutschen aus Ost und West dokumentiert. Von 1992 bis 1997 war er ARD-Hörfunkkorrespondent für das südliche Afrika. Wesentliche Impulse verdankt Gerhard Rein der Ökumenischen Bewegung. Der Journalist ist Autor und Herausgeber mehrerer Bücher zur deutschen Thematik. Im Frühjahr 2017 kam sein Buch „Auf der Grenze von West und Ost, Texte, Notizen und Gespräche eines Korrespondenten“ heraus. (zvk)

Hintergrund

Adam von Trott und seiner Freunde aus dem Widerstand wird seit 1984 jährlich am 20. Juli am Gedenkkreuz gedacht. Initiator war der damalige Bebraer Bürgermeister August Wilhelm Mende. Gemeinsame Veranstalter sind der SPD-Unterkreis Rotenburg und die Stiftung Adam von Trott in Imshausen. Am 20. Juli 1944 scheiterte das Attentat auf Adolf Hitler. Die von Claus Schenk Graf von Stauffenberg bei einer Besprechung im Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ unter dem Kartentisch platzierte Sprengladung tötete den Diktator nicht. Friedrich Adam Freiherr von Trott zu Solz, geboren 1909 in Potsdam, gehörte zum engeren Kreis des 20. Juli. Er wurde am 26. August 1944 hingerichtet. Die Familie von Trott zu Solz ist seit dem 13. Jahrhundert in den Ortschaften Imshausen und Solz ansässig. (zvk).

Diese Artikel sind erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


Gedenkfeier 20. Juli

Die Stiftung Adam von Trott erinnert alljährlich am 20. Juli mit einer Feier am Kreuz auf dem Tannenberg an den Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944. Diese Feier ist dem Gedenken an Adam von Trott und seine Freunde gewidmet.

Die erste Gedenkfeier wurde 1984 vom damaligen Bebraer Bürgermeister August Wilhelm Mende initiiert. In den ersten Jahren war der SPD-Unterkreis Rotenburg alleiniger Veranstalter. Seit 1994 liegt die Verantwortung für die Ausrichtung der Gedenkfeier zu gleichen Teilen bei der Stiftung Adam von Trott und dem SPD-Unterkreis Rotenburg.

Die Redetexte der Jahre 1984 bis 2003 sind in dem Buch "Zwanzig Jahre Reden am Kreuz Imshausen" publiziert worden.

Die Rede von Dr. Konrad Raiser (2004) wurde als Imshäuser Text Nr. 1 (Titel: "Der Deutsche Widerstand und die Zukunft Europas") veröffentlicht. Die Auflage ist weitgehend vergriffen, Einzelexemplare zum Preis von fünf Euro sind in Imshausen erhältlich.

Alle Redetexte seit 1984 sind als PDF-Datei auf dieser Website abgespeichert und können hier heruntergeladen werden.

Dokumentation der Reden zum 20. Juli