Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Freitag, 30. Juni 2017, 19.00 Uhr | Imshäuser Gespräch

Registriert - vorhergesehen - vorherbestimmt?

Big Data und die Vorsehungslehre

Vortrag und Gespräch mit
Dr. Hanna Reichel
Theologin (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
Herrenhaus Imshausen

Seit George Orwell’s „1984“ wird oft davon gesprochen, dass wir in Überwachungsgesellschaften leben. Seine dystopische Vision ist längst von den Realitäten eingeholt und überholt worden. Flächendeckende Überwachung ist technologisch raffinierter geworden. Sie ist überall und sie dient der internationalen Sicherheit und Terrorabwehr wie der effizienteren Verkehrsüberwachung, dem Marketing wie der Wissenschaft. Soziale Medien und das „Internet der Dinge“ sammeln Daten und kreieren umfangreiche Profile der Benutzer, die von Unternehmern als neuer Rohstoff des digitalen Zeitalters gehandelt werden. Viele von uns tragen mit dem Smartphone ihren eigenen Spion in der Hosentasche und geben bei der Benutzung intelligenter Algorithmen bereitwillig oder unfreiwillig persönliche Daten an Außenstehende weiter.

In der heutigen Big-Data-Ökonomie fühlen wir uns weniger eingeschränkt als in einer Überwachungsdiktatur. Dennoch beeinflussen die täglich gesammelten und ausgewerteten Daten auch ohne unser Wissen unser Leben massiv. Mit mehr Daten werden künftige Handlungen immer genauer vorhergesagt, z.B. im sog. „predictive policing“, aber auch bei der Risikokalkulation von Versicherungen und bei individuell zugeschnittenen Werbungen und Angeboten. Können unsere Daten unsere Zukunft vorhersagen? Bilden sie nicht selbsterfüllende Prophezeiungen? Ist unsere Zukunft gar durch Big-Data-Algorithmen festgelegt?

Die Logiken und Entscheidungen intelligenter Algorithmen, die unser Leben bestimmen, sind für uns so wenig einsehbar wie das Walten der göttlichen Vorsehung – und wie sie auch kaum aktiv beeinflussbar. Die Vorsehungslehre ist aber eines der in der Moderne hart angefochtenen Lehrstücke christlicher Theologie, da sie die menschliche Freiheit in Frage stellt. Wenn Gott die Zukunft vorher weiß, gar vorher bestimmt hat, sind Freiheit und Verantwortung dann eine Illusion? Die Theologie reagierte auf diese Frage etwa, indem sie die menschliche Freiheit zur rein subjektiven erklärten: Da der Mensch unter unvollständigem Wissen entscheide, sei er in seiner Entscheidung frei, auch wenn Gott sie von Ewigkeit her bereits kennt.

Lässt sich die technologisch fundierte Überwachungsgesellschaft im Lichte der Vorsehungslehre besser verstehen? Welche Spielräume und Einschränkungen menschlicher Freiheit zeichnen sich in ihr ab? Und welche Potentiale zum Widerstand können wir aus diesem Vergleich für aktuelle Herausforderungen gewinnen?

Zur Person

Dr. Hanna Reichel studierte Theologie an den Universitäten Bonn, Hagen, Beirut und Heidelberg. Seit 2013 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Dogmatik und Religionsphilosophie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Zurzeit arbeitet sie an ihrer Habilitation zu den ethischen Herausforderungen des Lebens in einer Überwachungsgesellschaft.

Wir laden Sie herzlich ein. Der Eintritt ist frei, über eine Spende freuen wir uns.


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Imshäuser Gespräche

'Imshäuser Gespräche' sind eine öffentliche Veranstaltungsreihe der Stiftung, bei der in etwa monatlicher Folge aktuelle Themen und Fragestellungen aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft oder Ökumene in einer Abendveranstaltung erörtert werden.
Dazu lädt die Stiftung kompetente Personen als Referentinnen/ Referenten ein. Einem einführenden Vortrag folgt jeweils eine ausführliche Aussprache.
Innerhalb kurzer Zeit haben sich die 'Imshäuser Gespräche' zu einem beachteten und anerkannten Forum der politischen Auseinandersetzung und Meinungsbildung in der Region Nordosthessens entwickelt.



Freitag, 30. Juni 2017, 19.00 Uhr | Imshäuser Gespräch
Big Data und die Vorsehungslehre
Vortrag und Gespräch mit
Dr. Hanna Reichel
Theologin (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
Herrenhaus Imshausen

Donnerstag, 20. Juli 2017, 18.00 Uhr
Zum Gedenken an Adam von Trott zu Solz und seine Freunde
Die Gedenkrede hält
Gerhard Rein
(Journalist) Berlin
Imshäuser Kreuz