Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Freitag, 07. April 2017, 19.00 Uhr | Imshäuser Gespräch

Der „Historikerstreit“

Nabelschau der Historikerzunft oder Streit um ein neues Selbstverständnis der deutschen Gesellschaft?

Vortrag und Gespräch mit
Dr. Gerrit Dworok
Historiker (Würzburg)
Herrenhaus Imshausen

Der sogenannte „Historikerstreit“ gehört zu den bedeutendsten gesellschaftlichen Debatten der Bonner Republik. Ausgelöst hatte ihn Jürgen Habermas 1986 mit einem Beitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“, in dem er führenden deutschen Zeithistorikern revisionistische Tendenzen im Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit vorwarf. Die Debatte entzündete sich an Ernst Noltes These, dass die Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten sei eine Abwehrreaktion auf die vorangegangenen sowjetischen Verbrechen gewesen sei.

Was schon zuvor eine fachwissenschaftliche Auseinandersetzung unter Historikern war, wurde nun zu einer erbittert geführten, öffentlichen Debatte mit zwei Lagern: linksliberal versus rechtskonservativ. Der Konflikt ist auch thematisch nicht auf die 1980er Jahre zu reduzieren. Er beschränkte sich auch nicht auf die Frage der Einzigartigkeit von Auschwitz. Vielmehr offenbaren die Beiträge – abseits von den vielen persönlichen Angriffen – diverse kritische sowie auch affirmative Rückgriffe auf die Streitgeschichte der Bonner Republik.Thematisiert wurden beispielsweise: die Deutsche Frage, die Wiedergutmachungszahlungen der Regierung Adenauer, die Westbindung, die nationale Identität der Deutschen, die Entnazifizierung, die 68er, die Hochschulreform, die Aufarbeitung der NS-Geschichte sowie einige weitere konfliktbeladene Aspekte der bundesdeutschen Vergangenheit.

In der Rückschau gilt der „Historikerstreit“ als eine Schlüsseldebatte um das Selbstverständnis und die politische Kultur der Bundesrepublik Deutschland, Gerrit Dworok verbindet in seiner Dissertation zum Thema die Diskussion über diese Kontroverse schon im Titel mit dem Begriff der „Nationwerdung“.

Zur Person

Dr. Gerrit Dworok wurde 1983 in Rotenburg an der Fulda geboren. Er studierte Geschichte und Anglistik an der Universität Würzburg, wo er derzeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neueste Geschichte II tätig ist. 2015 wurde Dworok mit seiner Arbeit „'Historikerstreit' und Nationswerdung“ zum Dr. phil. promoviert. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die Themen Nationalismusforschung, Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und Diktaturenvergleich.

Wir laden Sie herzlich ein. Der Eintritt ist frei, über eine Spende freuen wir uns.


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Imshäuser Gespräche

'Imshäuser Gespräche' sind eine öffentliche Veranstaltungsreihe der Stiftung, bei der in etwa monatlicher Folge aktuelle Themen und Fragestellungen aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft oder Ökumene in einer Abendveranstaltung erörtert werden.
Dazu lädt die Stiftung kompetente Personen als Referentinnen/ Referenten ein. Einem einführenden Vortrag folgt jeweils eine ausführliche Aussprache.
Innerhalb kurzer Zeit haben sich die 'Imshäuser Gespräche' zu einem beachteten und anerkannten Forum der politischen Auseinandersetzung und Meinungsbildung in der Region Nordosthessens entwickelt.



Freitag, 24. März 2017, 19.00 Uhr | Imshäuser Gespräch
Die Ärztin und Antisemitin Mathilde von Kemnitz-Ludendorff
Vortrag und Gespräch mit
Dr. Annika Spilker
Historikerin (Eschwege)
Visser't Hooft-Haus im Trottenpark Imshausen

Freitag, 07. April 2017, 19.00 Uhr | Imshäuser Gespräch
Nabelschau der Historikerzunft oder Streit um ein neues Selbstverständnis der deutschen Gesellschaft?
Vortrag und Gespräch mit
Dr. Gerrit Dworok
Historiker (Würzburg)
Herrenhaus Imshausen