Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Über 100 Gäste in Imshausen

Gedenken am Kreuz

Von Achim Meyer

Der Kapitalismus zerstöre die Welt, und Widerstand sei das Gebot der Stunde: Am Gedenkkreuz für den aus Imshausen stammenden Widerstandskämpfer Adam von Trott hörten die über 100 Gäste beim Erinnern an das am 20. Juli 1944 gescheiterte Attentat auf Hitler eine kämpferische und aufrüttelnde Rede des Heidelberger Professors Ulrich Duchrow.

Dabei sprach Duchrow fast gar nicht von von Trott, dem Mann, der als Diplomat versuchte, Kontakte zu den Alliierten herzustellen, um den Sturz Hitlers außenpolitisch abzusichern. Duchrows Leitfaden: Seit 2000 Jahren bringe der Kapitalismus als unmenschliche Geldvermehrungsmaschine Unheil über die Menschen. Der Nationalsozialismus mit Massenmord und Expansionskrieg sei davon nur eine dem selben Denken entspringende Spielart gewesen, der Faschismus ein Extrem der westlichen Zivilisation, wie Duchrow den Friedensforscher Johan Galtung zitierte.

Der Posaunenchor Solz unter der Leitung von Jürgen Sprenger.

Seine Position untermauerte Duchrow mit einem Gang durch die Geschichte: Seit dem späten Mittelalter habe sich immer „die herrschende Kapitalmacht mit einer militärisch starken Territorialmacht verbündet und so Hegemonie ausgeübt“. Inzwischen produziere das Weltwirtschaftssystem aufgrund der Folgen des Hungers „jedes Jahr ungefähr so viele Tote wie der ganze zweite Weltkrieg“.

Gedenkfeier am Kreuz bei Imshausen: Sie findet jedes Jahr am 20. Juli in der Heimat der Familie Adam von Trotts statt.

„Es sieht so aus, als ob wir uns wieder einer Phase nähern, in der das Kapital die Völker in den Faschismus treibt“, sagte Duchrow und verwies auf das Erstarken der rechten Parteien in Europa als Symptom dafür, dass der Kapitalismus den sozialen Zusammenhalt zerstöre. Der amerikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump zeige sich sogar offen faschistisch.

Prof. Dr. Ulrich Duchrow beim Nachgespräch mit Schülerinnen und Schülern der Adam-von-Trott-Schule Sontra.

Seit über 25 Jahren besucht Duchrow, Theologe und Sozialethiker, Imshausen und trifft hier in einer noch vor dem Mauerfall gegründeten ökumenischen Gruppe Theologen aus Ost und West. Die Weltchristenheit sei eine Kraft gegen das globale System, sagte Duchrow unter Berufung auf Martin Luther und Papst Franziskus’ Äußerung im apostolischen Schreiben: „Diese Wirtschaft tötet.“ Auch wenn die deutschen Kirchen „dieser Klarheit bisher nicht gefolgt“ seien.

Den Anlass der Gedenkfeier aufgreifend, stellte Duchrow die These auf: „Ich bin sicher, heute würde Adam von Trott ein Bundesgenosse für den jetzt nötigen Widerstand sein und mit an der Überwindung des globalen Kapitalismus arbeiten.“

Hintergrund

Seit 1984 gedenken Menschen immer am 20. Juli am Kreuz oberhalb des Dorfes bei einer Feier dem aus Imshausen stammenden Widerstandskämpfer Adam von Trott. Veranstalter ist der SPD-Unterkreis zusammen mit der Stiftung Adam von Trott.

Gerade in einer Zeit, in der sich weltweit Veränderungen vollzögen, sei es wichtig, aus der Geschichte zu lernen, sagte Georg Lüdtke, Alheims Bürgermeister und Vorstandsmitglied des SPD-Unterkreises. Auch Professor Roland Merten, Vorsitzender der Stiftung Adam von Trott, erinnerte an aktuelle Probleme wie Naturzerstörung, Flucht und Terror und zog die Parallele: So, wie einst Widerständler vor einer Gewissensentscheidung gestanden hätten, so stünden wir heute vor einer Gewissensentscheidung, wenn es etwa um den umstrittenen Flüchtlingsdeal mit der Türkei gehe. Die Gedenkveranstaltung umrahmte der Posaunenchor Solz unter der Leitung von Jürgen Sprenger musikalisch.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


Gedenkfeier 20. Juli

Die Stiftung Adam von Trott erinnert alljährlich am 20. Juli mit einer Feier am Kreuz auf dem Tannenberg an den Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944. Diese Feier ist dem Gedenken an Adam von Trott und seine Freunde gewidmet.

Die erste Gedenkfeier wurde 1984 vom damaligen Bebraer Bürgermeister August Wilhelm Mende initiiert. In den ersten Jahren war der SPD-Unterkreis Rotenburg alleiniger Veranstalter. Seit 1994 liegt die Verantwortung für die Ausrichtung der Gedenkfeier zu gleichen Teilen bei der Stiftung Adam von Trott und dem SPD-Unterkreis Rotenburg.

Die Redetexte der Jahre 1984 bis 2003 sind in dem Buch "Zwanzig Jahre Reden am Kreuz Imshausen" publiziert worden.

Die Rede von Dr. Konrad Raiser (2004) wurde als Imshäuser Text Nr. 1 (Titel: "Der Deutsche Widerstand und die Zukunft Europas") veröffentlicht. Die Auflage ist weitgehend vergriffen, Einzelexemplare zum Preis von fünf Euro sind in Imshausen erhältlich.

Alle Redetexte seit 1984 sind als PDF-Datei auf dieser Website abgespeichert und können hier heruntergeladen werden.

Dokumentation der Reden zum 20. Juli