Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Bischof Dr. Martin Hein würdigt Adam von Trott zu Solz bei Gedenkfeier

Mensch im Mittelpunkt

Von Achim Meyer

Er sei kein politischer Widerständler gewesen, kein christlicher Märtyrer. Allein dem Menschen habe er sich verpflichtet gesehen. Auf diese Weise erklärte Festredner Bischof Dr. Martin Hein den aus Imshausen stammenden Widerstandskämpfer Adam von Trott zu Solz bei der Feier an dessen Gedenkkreuz in Imshausen. Adam von Trott war nach dem gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 hingerichtet worden.

Er sei kein politischer Widerständler gewesen, kein christlicher Märtyrer. Allein dem Menschen habe er sich verpflichtet gesehen. Auf diese Weise erklärte Festredner Bischof Dr. Martin Hein den aus Imshausen stammenden Widerstandskämpfer Adam von Trott zu Solz bei der Feier an dessen Gedenkkreuz in Imshausen. Adam von Trott war nach dem gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 hingerichtet worden.

FOTOSTRECKE
Bischof Dr. Martin Hein und Gäste am Imshäuser Kreuz.

Der Redner vereinnahmte Adam von Trott nicht für das Christentum oder die Kirche. Im Gegenteil: Adam von Trott sei zwar ein Christ gewesen, aber keiner "von der lauten Sorte", einer, der sich etwa auch mit Konfuzius befasst habe. Der Widerstand aus Kreisen der Kirche, deutete Hein an, stelle sich heute mehr und mehr als widersprüchlich heraus. Adam von Trott sei "ein adeliger Sozialist, ein europäischer Nationalist, ein konfuzianischer Christ" gewesen, keiner politischen Strömung und keiner Ideologie zuzuordnen. Innerlich zerrissen worden sei Adam von Trott dabei keineswegs. Der Humanismus habe sein Handeln klar bestimmt, als er sah, dass Europa dem Abgrund entgegensteuerte. Dabei sei er strategisch und überlegt vorgegangen und habe die äußerste Konsequenz für sein eigenes Leben in Kauf genommen.

"Modellhaft" nannte Hein den Menschen Adam von Trott. Seine Begabungen zu nutzen, um für andere Menschen zu leben, das sei der Sinn des Daseins, erklärte Hein. Das Wohl des Menschen in den Mittelpunkt der Politik zu stellen, wie es von Trott heute tun würde, forderte Hein. "Was tut der Staat für den Menschen?", müsse die leitende Frage sein. Auch der Glaube dürfe kein starres System sein, die Wertschätzung des Menschen das Zentrum bilden. Seine Rede beendete der Bischof, indem er die Inschrift des Gedenksteins zu Füßen des Kreuzes zitierte: "Beherzigt ihr Beispiel."

Hintergrund: Die Kinder der Widerstandskämpfer

Voll besetzt war das Halbrund am Kreuz, und viele, die zum Gedenken gekommen waren, fanden nur noch Stehplätze. Unter den Gästen waren auch die Töchter des Widerstandskämpfers Verena Onken-von Trott und Clarita Müller-Plantenberg sowie Witwe und Tochter des kürzlich verstorbenen Vorsitzenden der Adam-von-Trott-Stiftung Dr. Reinhard Höppner. Adam von Trott, Neffe des Widerstandskämpfers und stellvertretender Vorsitzender der Stiftung, begrüßte die Gäste. Ausgerichtet wird die Gedenkfeier, die zum 30. Mal stattfand, gemeinsam von der SPD und der Adam-von-Trott-Stiftung. Ralf Hilmes, Vorsitzender des SPD-Unterkreises Rotenburg, würdigte den verstorbenen Vorsitzenden der Stiftung. Er hob die Wichtigkeit des Gedenkens an die Widerstandskämpfer hervor. Hilmes: "Sich zu erinnern, gehört zur Würde des Menschen." Nancy Heldmann, Lehrerin an der Sontraer Adam-von-Trott-Schule, beendete die Veranstaltung mit einem Liedbeitrag. Sie sang "Sag mir, wo die Blumen sind".


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Gedenkfeier 20. Juli

Die Stiftung Adam von Trott erinnert alljährlich am 20. Juli mit einer Feier am Kreuz auf dem Tannenberg an den Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944. Diese Feier ist dem Gedenken an Adam von Trott und seine Freunde gewidmet.

Die erste Gedenkfeier wurde 1984 vom damaligen Bebraer Bürgermeister August Wilhelm Mende initiiert. In den ersten Jahren war der SPD-Unterkreis Rotenburg alleiniger Veranstalter. Seit 1994 liegt die Verantwortung für die Ausrichtung der Gedenkfeier zu gleichen Teilen bei der Stiftung Adam von Trott und dem SPD-Unterkreis Rotenburg.

Die Redetexte der Jahre 1984 bis 2003 sind in dem Buch "Zwanzig Jahre Reden am Kreuz Imshausen" publiziert worden.

Die Rede von Dr. Konrad Raiser (2004) wurde als Imshäuser Text Nr. 1 (Titel: "Der Deutsche Widerstand und die Zukunft Europas") veröffentlicht. Die Auflage ist weitgehend vergriffen, Einzelexemplare zum Preis von fünf Euro sind in Imshausen erhältlich.

Alle Redetexte seit 1984 sind als PDF-Datei auf dieser Website abgespeichert und können hier heruntergeladen werden.

Dokumentation der Reden zum 20. Juli